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Januar 2014

175 Jahre Fotografie - Ein Jubiläum

Das Jahr 2014 steht ganz im Zeichen des Jubiläums „175 Jahre Fotografie“, die seit ihrer Erfindung im Jahr 1839 die Menschen bewegt. Kaum eine technische Errungenschaft hat unsere Sehweise, unsere Anschauung und unsere Kenntnisse über die Welt, in der wir leben, so verändert, wie die Fotografie. Das Jubiläumsjahr 2014 gibt Anlass, sowohl mit einem Blick zurück, aber auch mit einem Blick in die Welt von morgen, die Fotografie zu einem zentralen Thema des photokina-Jahres, zu machen.

Als die Herren Niépce, Daguerre und Fox Talbot vor nunmehr 175 Jahren die ersten fotografischen Verfahren entwickelten, ahnte noch niemand, welche Bedeutung dieses Medium einmal erlangen sollte. Die Fotografie findet sich heute in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens. In ihren Anfängen war die Fotografie nur ganz wenigen Personen vorbehalten. Spätestens mit ihrer Digitalisierung hat sie weltweit die Massen erreicht und ist zum Kommunikationsmittel Nummer eins avanciert. Verbunden mit der Fotografie ist ein großes Maß an Kreativität, gepaart mit einem hohen Spaßfaktor. Die Fotografie schafft Zeitdokumente, macht Dinge sichtbar, sensibilisiert für Themen und gibt Erinnerungen ein Gesicht. Heute, 175 Jahre nach ihrer Erfindung, verfügt in weiten Teilen der Welt nahezu jeder über mindestens ein Aufnahmegerät – verbunden damit ist eine gigantische Zahl an Bildern, die uns umgeben, ob im privaten oder öffentlichen Raum, wie beispielsweise Flickr, mit weit mehr als 8 Milliarden Aufnahmen.

Am 19. August 1839 wurde die Fotografie offiziell mit allen technischen Details in Paris öffentlich bekanntgemacht. Miniaturmaler und Chemiker, Glücksritter und Spekulanten, Künstler, Dilettanten und Gelehrte begeisterten sich gleichermaßen für das neuartige Verfahren, ein präzises Abbild ohne Zuhilfenahme von Zeichnung oder Malerei festzuhalten. Ein Menschheitstraum war Wirklichkeit geworden. Schätzungsweise eine Million – aus heutiger Sicht eine geringe Anzahl – der meist kleinformatigen, ohne Negativ auf versilberten Kupferplatten fixierten Daguerreotypien sind in den ersten zwanzig Jahren der Fotografiegeschichte angefertigt worden, die Mehrzahl Porträts.

Seit ihrer Erfindung ist die Fotografie bis heute von Innovationen mit zahlreichen Meilensteinen geprägt. Technische Neuerungen, die die sogenannte Zeit der modernen Fotografie um 1880 einläuten, sind Trockenplatten, Amateurkameras mit Rollfilm, Vergrößerungsgeräte und schnelle Verschlüsse. Alle Weiterentwicklungen haben zum Ziel, die Fotografie massentauglich zu machen. Die Amateurfotografie ab Ende des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die sogenannten Boxkameras. Das Konzept wurde ursprünglich in den USA entwickelt: eine möglichst einfach zu bedienende, preiswert herzustellende Kamera, die mit Rollfilm arbeitete.

In den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts erlebt die Fotografie bis dahin ihren größten Höhenflug mit der Erfindung der Kleinbildfotografie und des Farbfilms. Der Siegeszug, der mit der Entwicklung des ersten CCD-Chips 1970 beginnt, setzt sich mit der Digitalisierung fort, der die Fotografie revolutioniert und ganz neue Dimensionen schafft. Das erste Digitalbild wurde am 8.12.1975 mit der von dem 25-jähriger Kodak-Mitarbeiter Steve Sasson gebauten 4 kg schweren Kamera geschossen, hatte 100×100 Pixel und es dauerte 23 Sekunden, das Bild auf eine Kassette zu speichern. Ab Mitte der 1980er Jahre erscheinen die ersten kommerziell erhältlichen Digitalkameras, die noch als Still Video Cameras bezeichnet werden. Durch die Vorstellung erster Profikameras ab 1991 gewinnt die Digitalfotografie zunehmend an Bedeutung. In den folgenden Jahren wird die Bildauflösung der Digitalkameras kontinuierlich gesteigert, neue Features, wie die Integration der Videofunktion, erhalten ebenso Einzug wie aktuell der kabellose Datentransfer. Einher mit der Digitalisierung geht eine zuvor noch nie dagewesene Vielfalt an Aufnahmegeräten, die neue Bilderwelten entstehen und die Anzahl der „Klicks“ weltweit ins Unermessliche auf schätzungsweise 180.0001 in der Sekunde steigen lässt.

Der Mensch ist umgeben von einer Welt der Bilder, im Privaten wie im öffentlichen Raum. Bilder sind das Kommunikationsmittel unserer Zeit – es sind ihre Kraft und ihre Macht, die jeden von uns begeistern und in den Bann ziehen. Sprachliche Barrieren kennen Fotografien nicht. Der Mensch, das Augenwesen, braucht Bilder, denn er denkt in diesen und nur mit ihnen lassen sich Erinnerungen dauerhaft konservieren.

1 Hochrechnung auf Grundlage der 2.000 „Klicks“ in Deutschland

Nicéphore Niépce, 1765-1833

Louis Jacques Mandé Daguerre, 1787-1851

William Henry Fox Talbot, 1800-1877

Steve Sasson, geb. 1950